Der Golfball aus Fischfutter stößt auf große Nachfrage. „Nein, bei dem Produkt läuft alles prima“, erklärt der Verkäufer bei Golf-Kontor, einem Großhändler für Golfplatzausstattung,zufrieden. Schließlich ist der „Fischfutter-Ball“ für Golfer dann die Lösung, wenn sie viele Bälle in Gewässern verlieren und sich Gedanken über ein Langzeitproblem machen – Golfbälle zersetzen sich nicht. Ein normaler Golfball aus Surlyn oder Urethan braucht mindestens 100 Jahre um sich aufzulösen, es kann aber auch deutlich länger dauern. Schon bei einer kleinen Beschädigung der Schale können Bälle laut Studien aber auch Schadstoffe freisetzen. Weltweit geht die Golfballindustrie übrigens davon aus, dass rund 500 Millionen Bälle pro Jahr verloren werden – ein guter Teil davon in Gewässern.
Christian Löffl, Clubmanager im niederbayerischen GC Sagmühle, ist das Thema bestens bekannt. Der 18-Löcher-Golfplatz ist durchzogen von zahlreichen Wasserhindernissen. Die Driving Range liegt direkt am Flüsschen Rott. „Wir haben inzwischen ein Ballfangnetz, um zu verhindern, dass die Bälle dort hineinfliegen.“ Trotzdem verirrt sich ab und an ein Ball.
Golfballtaucher im Dauereinsatz
Im Idealfall werden die Bälle aus den Gewässern entfernt. Im GC Sagmühle übernahmen das vor einigen Jahren sogar zwei Jugendgolfer, die aus der Rott einen großen Eimer Bälle tauchten. Das Ganze in Begleitung eines professionellen Tauchers, der den Jugendlichen auch einen Tauchanzug organisiert hatte.
Das Thema „Golfballtauchen“ ist in Deutschland weitgehend in professioneller Hand.Golfballtaucher haben in den Sommermonaten Hochsaison. Sie tauchen die Bälle auf und verkaufen sie dann in den meisten Fällen entweder selbst weiter, nachdem die Bälle gereinigt und oftmals neu lackiert worden sind. Daneben bieten international aber auch spezialisierte Firmen im großen Stil wiederaufbereitete Wasserbälle, sogenannte Lakeballs, an.
„Wir lassen das regelmäßig zirka alle zwei Jahre erledigen“, stellt etwa Markus Eblen, Geschäftsführer der Golfanlage Domäne Niederreutin in Baden-Württemberg fest. Nein, eine Auflage der Naturschutzbehörden sei das Golfballtauchen nicht. Für Eblen ist aber klar, dass die Golfanlage, die im Rahmen des Umweltmanagement-Programmes Golf&Natur seit Jahren mit Gold zertifiziert ist, dafür sorgt, dass die Gewässer von Plastik befreit werden.
Tauchen plus Gewässerpflege
Im Club zur Vahr nahe Bremen kombiniert man die Tauchaktion sofort mit einer Überprüfung der Gewässer. Ralf Oestmann, gelernter Gärtner und Greenkeeper, ist inzwischen bei mehr als 80 deutschen Golfanlagen im Einsatz. Dabei kam sein erster Einsatz als Taucher eher zufällig zustande. „Ich hatte damals auf der Golfanlage Oberneuland als Greenkeeper zu tun. Dort hatte ich Pflanzen in einige Wasserhindernisse gesetzt. Im Jahr danach lagen unzählige Bälle in den Teichen. Ich hatte einen Tauchschein auf Jamaika gemacht, habe also meinen Tauchanzug geholt und beim ersten Mal gleich 5.000 Bälle rausgeholt.“ Inzwischen hat er ein ganzes Team an Balltauchern beschäftigt. Im Jahr komme schon eine halbe Million Golfbälle zusammen, meint er.
Er selbst taucht nur noch ab und an und kümmert sich stattdessen lieber um das Gewässermanagement. Neben der Ballsuche bietet er den Golfanlagen auch fundierte Pflege an.Er nimmt Wasserproben, stellt fest, ob es Nährstoffüberschüsse gibt, analysiert Schlammengen und kümmert sich um Algenprobleme. „Verglichen mit früher haben wir immer mehr Nährstoffe im Wasser und mehr Nährstoffe bedeuten mehr Probleme“, klagt er. „Algen, Wasserlinsen aber auch Entengrütze nehmen zu.“ Die Nährstoffe stammen dabei weniger vom Greenkeeping als vielmehr von Laub oder abgestorbenen Pflanzenteile. Je älter die Plätze sind, desto üppiger ist in der Regel auch die Vegetation.
„Daneben sind die invasiven Arten im Moment das größte Problem“, stellt er fest. Amerikanische Krebse, Sonnenbarsche und Blaubandbärblinge, ebenfalls kleine Fische, zählt er auf. Er empfiehlt den Golfanlagenbetreibern dann den richtigen Fischbesatz, kümmert sich um Pflanzinseln oder die passende Uferbepflanzung, die am Ende dann auch den einen oder anderen Golfball davon abhält, ins Wasser zu rollen.
Golfbälle und Gewässer – kein einfaches Thema findet auch Dr. Gunther Hardt, Leiter des Arbeitskreises Biodiversität beim deutschen Golfverband. Auch er plädiert dafür, dass die Golfbälle aus den Gewässern entfernt werden. „Die Behörden werden beim Thema Mikroplastik zunehmend sensibler, dem können Golfanlagen dadurch vorbeugen, dass sie die Bälle regelmäßig entsorgen.“
„Die Gewässerökologie ist insgesamt extrem komplex“, so Hardts Einschätzung. Wichtig sei deshalb, dass Ballsammelaktionen in Gewässern nicht mit großem, schwerem Gerät durchgeführt würden und womöglich massive Schäden am Gewässer hinterließen. Vielmehr gehe es darum, Tauchaktionen so planen, dass die Bepflanzung keine größeren Schäden erleide oder die Aufwirbelungen des Schlamms zu intensiv seien. Oestmanns Kombiaktion aus Balltauchen plus Gewässerpflege hält er für einen sinnvollen Ansatz. „Am Ende geht es darum die Gewässerqualität langfristig zu sichern. Wir wollen auf Golfanlagen Wasserhindernisse, die sowohl spielstrategisch Sinn machen als auch naturschutzrechtlichen Vorgaben entsprechen.“

Eines nämlich ist klar: Bälle, die wie der Fischfutter-Ball nach 48 Stunden zersetzt sind, werden in den nächsten Jahren ein Randprodukt bleiben. Eingesetzt werden diese vor allem dann, wenn bei Turnieren oder öffentlichen Anlässen Golfer reihenweise ins Wasser schlagen. Sei es, dass ein Golfgrün irgendwo in der Isar oder Alster schwimmt oder bei einem Event von einer Terrasse auf eine Zielfläche in einem See geschlagen wird.